PU - Burg Roßlau

Durch Funde aus dem 9.-13. Jahrhundert lässt sich eine durchgehende Besiedelung der Burg vermuten. Die ältesten gefundenen Teile der Burg stammen aus dem 12. Jahrhundert. Vorher vermutet man an gleicher Stelle eine slawische Siedlungsburg. 1358 wurde die Burg erstmalig als „Rozelowe dat hus“ erwähnt, was durch Untersuchungen an den Gemäuern bestätigt werden konnte.

Sie wurde von den Fürsten von Anhalt und von den Lindauer Grafen zurückgekauft. In einer ersten Bauphase entstanden Wohnturm und Ringmauer. Als Merkmal dieser mittelalterlichen Burg ist der repräsentative Wohnturm und die aufgefundene mittelalterliche Warmluftheizung (Steinkammer-Luftheizung) zu erwähnen. Bei späteren Ausgrabungen wurden auf dem Burggelände mehrere Funde aus dieser Zeit entdeckt. Eine Schachfigur und ein goldener Ring. Dieser wurde dann zum Wahrzeichen - dem Roßlauer Treuering - der Stadt. Einer der ältesten Eheringe in Deutschland.

Sie ist eine Rundburg mit 3 Wassergräben und war meist Sitz des Ministerialgeschlechtes. Sie wurde bis ins 16. Jahrhundert stets erweitert und ausgebaut. In dieser Zeit wurde auch ein Verzeichnis über die Burg angelegt.

Im Zuge der Schlacht an der Elbbrücke (1626) wurde die Burg durch Soldaten geplündert, verwüstet und teilweise in Brand gesteckt. Der Wiederaufbau erfolgte durch die Baronin von Metzsch.

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts verlor die Burg an Bedeutung, da ein Rathaus gebaut wurde, die Verwaltung aus der Burg auszog und die Fürsten von Anhalt-Zerbst nach Zerbst umgezogen waren.

1740 wurde daneben ein Jagdschloss errichtet, welches mit einer Brücke eine direkte Verbindung zur Burg hatte. Die Burg selbst stand leer, war verfallen und nur noch ein Raum nutzbar. Ein Brand, durch Brandstiftung, gab der Burg den Rest.

Erst Fürst Heinrich von Anhalt-Köthen interessierte sich wieder für die Burg und sanierte sie zwischen 1836 und 1838, so dass diese wieder als Herrschaftssitz dienen konnte. Aber es kam erneut zu einem Brand (1871)

Nach erneutem Aufbau und Abriss einiger Domänengebäude wurde das Gefängnis aus dem Rathaus in die Burg verlegt.

1920 wurde sie Eigentum des Anhaltinisch-Askanische Familienverein e.V. Es wurden wieder Wohnungen eingerichtet, die bis 1986 genutzt wurden.

1947 wurde sie Eigentum der Stadt Roßlau und das Katasteramt zog ein.

Heute sind die Burg und das Schloss nicht mehr bewohnt bzw. werden nicht mehr genutzt. Die Gebäude und das Burggelände sind denkmalgeschützt. 1999 gründete sich der Förderverein „Burg Roßlau“ e.V. Teilweise wird das Burggelände in den Sommermonaten für Veranstaltungen genutzt.

(Quelle: www.burgrosslau.de und www.wikipedia.org)

Ankunft auf der Burg

Aufgrund zweier Legenden und paranormaler Erscheinungen wurden wir vom Vorsitzenden des Fördervereins „Burg Roßlau“ e.V. auf die Burg eingeladen. Wir trafen gegen 17 Uhr ein und wurden sehr freundlich von Hr. Hahne empfangen.

Als erstes führte uns Hr. Hahne durch die Burg und wir erfuhren viele interessante geschichtliche Hintergründe, Bauphasen und die Legenden, die sich um die Burg ranken und erzählt werden. Es wurde uns die Stelle gezeigt, an der (2002) ein Ring gefunden wurde, dort befand sich zur damaligen Zeit das Gefängnis und es wurde von Sichtungen berichtet. Sowie eine Wand, hinter der sich ein Schacht befindet, welcher noch nicht geöffnet werden konnte, in der, laut Legende, die eingemauerte Hildegard vermutet wird.

Aber zuerst einmal zu den Legenden und paranormalen Erscheinungen.

Legenden

Gertrude und der verlorene Ring:

Gertrude war frisch verheiratet, als ihr Ehemann auf Reisen gehen musste. In dieser Zeit verlor sie ihren Ring (Treuering). Als ihr Ehemann zurück kam vermutete er, dass sie fremd gegangen sei. So degradierte er Gertrude vom Burgfräulein zu einer Angestellten der Burg. Sie hatte Ihren Status verloren. Sie war so gekränkt und beschämt, dass sie den Ring zeit ihres Lebens und auch nach ihrem Tode suchte.
2002 wurde ein Ring bei Sanierungsarbeiten durch Zufall gefunden, der in die Zeit des Lebens von Gertrude datiert werden konnte. Dies lässt ausschließen, dass der Ring aus der heutigen Zeit stammen könnte.
Ob er es war?

Die eingemauerte Hildegard:

Es gab einen Burgvogt, der sich in Hildegard verguckt hatte. Sie selbst war ein einfaches Mädchen und war in einer Beziehung. Doch der Burgvogt stellte ihr nach, was Hildegards Freund nicht gefiel. So ohrfeigte er den Burgvogt, der darüber so erbost war, dass er Hildegard einmauern lies. Das heißt, nicht auf einem mal, sondern jeden Tag einen Stein höher und ihr Freund durfte ihr solange Essen reichen, bis der letzte Stein gelegt wurde. Danach wurde der Freund von ihm geköpft.
Bisher wurde kein Skelett einer eingemauerten Frau entdeckt, aber es wurde ein Schacht gefunden, vor der noch eine Mauer steht, welche bisher noch nicht abgerissen werden konnte.
Ist sie da dahinter?

Paranormale Erscheinungen

Berichtet werden Erscheinungen von Personen in der Burg (Frauen, Männer) und von Lichtpunkten, welche man auch von außen durch die Fenster sehen konnte.

Unsere Untersuchung

Anwesende:
Allen Webb (PRG-HH)
Manuela Gerullis (PRG-HH)
Andreas Malchau (PRG-HH)
Daniela Pethe (PRG-HH)
Melanie Hain (PRG-HH)
Thomas (PRG-HH)
Peter Hahne (Vorsitzender vom Förderverein)
??? (Arte) und sein Team

Außenmesswerte:
05./06.06.2010
21:00 Uhr-03:00 Uhr
Temperatur: 12,8-8,4 °C
Luftdruck: 1021-1022 hPa
Luftfeuchte: 78-89 %
Windgeschw.: 7-4 km/h
Mond: 7. Tag nach Vollmond

(Quelle: Werte Wetteramt Wittenberg)

Rundgang

Nach all diesen Informationen starteten wir unseren Rundgang um unsere Basismessungen durchzuführen und evtl. Empfindungen und Auffälligkeiten schon im Vorfelde ein- oder auszuschließen.
Auf der gesamten Burg befinden sich keine funktionierenden Strom- und Wasserleitungen mehr. Auch haben wir bei unserem Rundgang nichts Außergewöhnliches festhalten können.

Als wir in der oberen Etage angelangt sind, konzentrierten wir uns auf die berichteten Lichterscheinungen, die man von außen im Gebäude sehen konnte. Von den Lichterscheinungen wurde berichtet, als noch Menschen drin wohnten, sowie auch noch, als die Burg total leer und nicht mehr bewohnbar war. Also die Strom- und Wasserleitungen auch nicht mehr existierten.

Ausschließen konnten wir, dass die Lichterscheinungen vom Innenhof her hätten kommen können, da ein breiter Flur, mit nur wenig Fenster, dazwischen lag.

Wir fanden 3 Erklärungsmöglichkeiten.
Die Fenster sind aus dem damaligen Zeitalter noch erhalten. Man konnte in den Scheiben die unterschiedliche Dicke des Glases erkennen, welche eine Wellenform hatte. Somit könnten die Lichtpunkte eine Brechung dieser unterschiedlichen Dicke der Scheiben gewesen sein, die sich dann an der gegenüberliegenden Wand zeigten und durch eben vorbeifahrende Autos und/oder die Straßenlaternen, wovor sich die Bäume bewegen, Taschenlampenlicht die durchs hinein leuchten in die Burg, dann die verschiedenen Richtungen der Brechungen zur Folge haben könnte.

In den Räumen befanden sich Türrahmen die mit Lackfarbe angestrichen waren, so könnten auch diese das Licht von außen wieder gespiegelt haben, was man dann als umher schwirrende Lichtpunkte identifizierte. Ursachen wie in 1 (Autos, Straßenlaternen und Taschenlampen)

Hr. Hahne berichtete uns, dass die Erscheinung der Lichtpunkte schlagartig aufhörte, nachdem der Ring gefunden wurde. Baulich oder farblich wurde bis heute in dieser Etage nichts verändert. Es ist dort immer noch der gleiche Zustand wie zu der Zeit, als über die Lichterscheinungen berichtet wurde. Also könnte hier auch ein psychologischer Aspekt hinter den Lichterscheinungen liegen. Das Geheimnis des Ringes ist gelüftet, nun ist das Geheimnis der Burg weg und somit „kann“ man ja keine Lichterscheinungen mehr sehen. Der sogenannte Reiz ist weg und somit wird auch nicht mehr so drauf geachtet, ob da noch 'jemand' herum irren könnte.

Wir selbst haben die Lichterscheinungen nicht sehen oder beobachten können, hatten aber ab und an die Lichtreflexe der Lichtquellen von Außen. Möglich könnten alle drei Erklärungen sein, aber dadurch, dass ab Fund des Ringes nun gar nichts mehr berichtet wurde/wird, obwohl keine Veränderungen an diesem Teil der Burg vorgenommen wurden, ist für uns die 3. Möglichkeit am wahrscheinlichsten.

Unseren Rundgang beendeten wir so gegen 20 Uhr und besprachen uns dann in unserer Basis, wo wir einige Testfelder aufstellten.

Raum in dem der Ring gefunden wurde und welcher später als Gefängnis diente

Art:
Movetest und EVP (passiv)

Geräte:
Datenlogger
Trifield Meter Natural
Sony Handycam
1 Goldring
3 Tischtennisbälle
Diktiergerät

Vorabmessungen:
Es gab keine ungewöhnlichen Vorkommnisse

Testdauer: von 23:45 Uhr bis 3:00 Uhr

Anwesende:
Niemand

Aufbau:
Es wurde ein Movetest mit dem Ring und den Tischtennisbällen aufgebaut. Dazu wurden ein Diktiergerät und ein Datenlogger gelegt und alles wurde mit einer Kamera im Nightshotmodus überwacht. Bei diesem Testfeld war keiner anwesend.

Auswertung:
Während der Zeit des Testaufbaus wurden keine Gegenstände bewegt, auch der Datenlogger sowie der Trifield ergaben keine Ergebnisse. Auf dem Diktiergerät waren zwar Stimmen und Geräusche zu hören, die aber nichts eindeutiges ergaben, so dass sie als kein Ergebnis in unser Archiv aufgenommen wurden.

Vom Flur in Richtung Treppe im ersten Stock

Art:
Schattentest und EVP (passiv)

Geräte:
Infrarotlicht
Sony Handy Cam
Diktiergerät

Vorabmessungen:
Es gab keine ungewöhnlichen Vorkommnisse

Testdauer: von 00:01 Uhr bis 00:40 Uhr

Anwesende:
Niemand

Aufbau:
Die Kamera wurde in Richtung Treppe aufgestellt und über ihr das Infrarotlicht, welches 2 rote Striche auf die Treppe produzierte. Der Punkt, an denen sich beide Striche kreuzen, wurde auf die Mitte der Treppe ausgerichtet. So konnte der ganze Bereich abgedeckt werden und man konnte so evtl. Tiere ausschließen.

Auswertung:
Während der ganzen Testphase wurden keine ungewöhnlichen Vorkommnisse oder Sichtungen gemacht. Auch auf dem Diktiergerät war nichts auffälliges.

Im Turm unter dem Dach

Art:
Sitdown mit EVP (aktiv und passiv)

Geräte:
Datenlogger
5 EMF-Checker
Sony HVR-HD1000E
Kamera vom Filmteam
2 Diktiergeräte

Vorabmessungen:
Es gab keine ungewöhnlichen Vorkommnisse

Testdauer: von 00:10 Uhr bis 00:40 Uhr

Anwesende:
Allen, Manuela, Melanie, Thomas, Dani und das Filmteam

Aufbau:
Wir setzten uns auf den Boden inmitten des Raumes. Um uns herum bauten wir die EMF-Checker auf. Das Filmteam setzte sich in die Nähe eines Fensters. Ein Diktiergerät lag in der Mitte von uns und eines im Eingangsbereich des Raumes.

Auswertung:
Während des Sitdowns hörten wir einmal ein leises Klopfen auf unser Klopfen hin, was aber nicht eindeutig genug für uns war. Es hätte auch ein Arbeiten des Hauses gewesen sein können (altes Gebäude). Auf den Diktiergeräten waren keine außergewöhnlichen Geräusche.

Vor der Wand, hinter der sich ein Schacht befindet

Art:
Sitdown mit EVP (aktiv und passiv)

Geräte: Datenlogger
5 EMF-Checker
Sony HVR-HD1000E
Kamera vom Filmteam
2 Diktiergeräte

Vorabmessungen:
Es gab keine ungewöhnlichen Vorkommnisse

Testdauer: von 01:20 Uhr bis 02:00 Uhr

Anwesende:
Allen, Manuela, Andreas, Melanie, Thomas, Dani und das Filmteam

Aufbau:
Wir setzten uns verteilt vor die Wand. Auch hier wurde ein Diktiergerät in die Mitte gelegt und eines im Nebenraum, auch unsere EMF-Checker verteilten wir wieder.

Auswertung:
Auch bei diesem Test geschah nichts außergewöhnliches. Auch die Diktiergeräte hatten keine ungewöhnlichen Töne drauf.

Fazit der PU

Während des kleinen Zeitfensters unserer Untersuchung konnten wir die ungewöhnlichen Sichtungen weder bestätigen noch widerlegen. Wir konnten lediglich eine evtl. plausible Erklärung für die Lichterscheinungen geben. Aber alles in allem ist es eine sehr schöne Burg und wir drücken dem Verein ganz feste die Daumen, dass sie die Burg wieder herrichten können.

Auch möchten wir uns nochmals herzlich bei Herrn Hahne für die Einladung, die vielen Informationen und seine Gastfreundlichkeit bedanken. Informationen zur Burg und Veranstaltungen unter: www.burgrosslau.de

Und ein Dank geht auch an den Kunsthistoriker M. Prasse, der es sich nicht nehmen ließ, uns bei unserer Untersuchung zu besuchen. Darüber haben wir uns riesig gefreut. Sein neues Buch über die Burgen, Schlösser und Gärten zwischen Wittenberg und Dessau ist, nicht nur für Geschichtsfans, zu empfehlen. Es gibt einen umfassenden Überblick an erhaltenen historischen Gebäuden und derer Geschichten in der Region (ISBN 978-3-00-030860-4).

Mit freundlichen Grüßen

PRG-HH 2010